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Übertriebener elterlicher Ehrgeiz

Frage:

Unsere Tochter ist 11 Jahre alt und probiert gerne neue Sachen aus. Ob Instrumente oder Sport, sie ist an allem interessiert. Mein Mann will das ewige Wechseln nicht. Ich finde, sie soll doch alles ausprobieren und herausfinden, was ihr am besten gefällt. Aber er will unbedingt, dass sie in irgendetwas sehr erfolgreich ist. Was ist ihm egal, Hauptsache, sie ist die Beste. Wir streiten uns darum dauernd. Und immer lauter. Gerade eben hat es wieder geknallt, weil sie mit ihren Gitarrenstunden aufhören will. Es stimmt schon, dass sie begabt ist. Aber wenn sie nun so gerne mit ihrer Freundin in den Fussballclub eintreten will und ihr Gitarre spielen nicht Spass macht, weil sie da nicht in einer Gruppe ist? Sie ist so ein sozialer Mensch! Was soll ich nur tun? Wie kann ich meinen Mann dazu bringen, unsere Tochter entscheiden zu lassen, was sie tun will und ihr nicht seinen Willen aufzuzwingen? Er sagt, wenn sie jetzt mit Fussball beginnt, dann muss sie auch dabei bleiben und es gibt nichts anderes mehr. Er will sie sogar trainieren, damit sie schnell besser ist als die anderen Spielerinnen. Dabei will sie doch nur etwas Spass mit ihrer Freundin haben! Ich weiss gar nicht, wie ich das meinem Mann ausreden kann! Haben sie vielleicht einen Tipp für mich?

Antwort:

Immer wiederkehrender Streit in der Ehe ist eine grosse Belastung für eine Familie. Wenn man über das elterliche Verhalten einem Kinde gegenüber streitet, wird auch noch das Kind hinein gezogen. Jeder Elternteil glaubt, im Recht zu sein und das Beste für das Kind zu wollen und tun. Und trotzdem scheinen beide auf völlig verschiedenen Planeten zu sein – obwohl es sich tatsächlich um dasselbe Kind handelt! Wenn Kinder älter werden und die Pubertät einsetzt, kommen solche Auseinandersetzungen zwischen Eltern häufig vor und belasten die eheliche Beziehung sehr. Da ist es sehr wichtig, die Ehe nicht an die zweite Stelle zu setzen. Kinder beziehen viel Sicherheit und Geborgenheit aus einer gelungenen Beziehung der Eltern. Streit (vor allem, wenn er immer wiederkehrt und heftiger wird) belastet sie gewöhnlich sehr. Auch deshalb ist es wichtig zu verstehen, dass die Ehebeziehung die wichtigste Beziehung in einer Familie ist. Es geht beim Umgang mit Kindern nicht um Vater gegen Mutter, sondern um Eltern, die gemeinsam lernen und ihren Kindern ein gutes Vorbild sein wollen – auch darin, wie man mit Meinungsverschiedenheiten weise umgehen kann. Was möchtest du also, dass deine Tochter durch dein Beispiel im Umgang mit dieser Situation von dir lernt?

Es ist für dich wichtig zu erfahren, dass in solchen Situationen oft jeder Elternteil das Kind auf seine Weise beschützen will. Die Mutter will es z. B. vor den von ihr aus gesehen übertriebenen Ansprüchen des Vaters beschützen und stellt sich gegen seine Erwartungen. Sie wünscht sich, dass sich ihr Kind daheim geborgen und wohl fühlt. Der Vater hingegen möchte sein Kind z. B. davor beschützen, in der grossen weiten Welt unterzugehen oder zu versagen. Also drängt er es zu Höchstleistungen, etwa in der Hoffnung, dass das dem Kind helfen wird, im Konkurrenzkampf, dem er selbst auf dem Arbeitsmarkt ausgesetzt ist, später einmal zu bestehen.

Jede dieser Sichtweisen ist auf ihre Weise wichtig und richtig. Das Geheimnis elterlichen Erfolgs liegt in der Bereitschaft beider Eltern, ihre unterschiedlichen Ansichten anzuerkennen, zu respektieren und gemeinsam einen Weg zu finden, der für alle stimmt. Das ist nicht unbedingt einfach, aber machbar. In jedem Fall auch erstrebenswert.

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Zusatztipp:

Wenn die Fronten zwischen euch schon sehr verhärtet sind, wäre Ehecoaching oder -beratung eine wertvolle Hilfequelle.